Wandern rund um die Uhr

24-Stunden-Wanderung in der Alpenregion Tegernsee – Schliersee

24 Stunden Wandern ? Die ganze Nacht durch, und ganz ohne zu schlafen ? Gelesen hatte ich davon schon des Öfteren, mir aber nicht vorstellen können, das selbst einmal zu probieren. Bis ich Marion kennenlernte, die das letztes Jahr im Berchtesgadener Land schon einmal absolviert (oder sollte ich sagen: durchgestanden ?) hatte.

Also den Terminkalender und den Veranstaltungsplan gecheckt: am Wochenende 26./27. Mai findet die Wanderung im Gebiet Schliersee/Tegernsee statt – das passt.


Zunächst aber heisst es erst mal: beizeiten aufstehen. Nicht nur, dass die folgende Nacht ganz ohne Schlaf stattfinden sollte – nein, auch am Morgen zuvor klingelt der Wecker bereits um fünf Uhr, um rechtzeitig mittels S-Bahn und BOB nach Schliersee zu kommen. Um kurz vor acht sind wir dort, nehmen die Startunterlagen in Empfang, deponieren etwas Gepäck für danach bei einem Mitstreiter im Auto und schicken die 12-Stunden-Wanderer mit Applaus auf ihre Tour.


Um neun Uhr ist es dann auch für uns soweit: es geht los. Eddie, Michi und Melanie, unsere drei Guides, verteilen sich an der Spitze, in der Mitte und am Ende des Trupps – und so geht es aus Schliersee hinaus über die Burgruine Hoheneck nach Neuhaus, ehe ein steiler Anstieg hinauf zum Jägerkamp führt. Damit ist auch schon der höchste Punkt unserer Tour erreicht – aber erst ein Bruchteil der Strecke und der Höhenmeter sind absolviert,



Über den Rauhkopf, die Schönfeldalm und den Spitzingsattel geht es zur Alten Wurzhütte am Spitzingsee, wo uns die "Mittagsrast" erwartet – so gegen 16 Uhr... Zum Glück gab es schon vorher mal eine Rucksackbrotzeit, sonst wären wir bis hierher wohl verhungert gewesen.


Danach geht es wieder bergauf zur Sutten-Bergstation – so langsam neigt sich der Tag dem Ende zu, und das Licht wird sanft. Wieder bergab, und nur knapp zwei Stunden nach der Mittagsrast steht an der Talstation das Abendessen an.



Während wir die Spaghetti futtern, erwartet uns eine schlechte Nachricht: Wir sind knapp eine Stunde hinter dem Zeitplan – und unser Guide Eddie schätzt ein, dass der geplante Weg über den Wallberg mit der Gruppe zeitlich nicht zu schaffen sei. Er will daher durchs Tal über Enterrottach latschen. Ausgerechnet der schönste Teil der Tour mit Sonnenuntergang am Wallberg und Ausblick auf den abendlichen Tegernsee soll wegfallen?



Da hat er aber die Rechnung ohne Marion gemacht: sie fragt mich kurz, und dann setzen wir uns von der Gruppe ab. Ein paar weitere Wanderinnen schließen sich uns an, und so geht es in der aufkommenden Dämmerung hinauf. Oben erwartet uns das schönste Licht, welches man sich nur vorstellen kann, und etwas später der Tiefblick auf die Lichter von Rottach-Egern. Wir haben alles richtig gemacht…




Im Abstieg zur Wallberg-Talstation wird es dann richtig dunkel – und der meditative Teil der Tour beginnt. Durch die Nacht wandern wir rund um den Tegernsee – der Mond über dem Tegernsee begleitet uns beim meditativen Gehen von Rottach-Egern über Wiessee nach Gmund. Im anbrechenden neuen Tag geht es dann hinauf zum Gasthof Neureuth.


Dort erwartet uns das Frühstück – oder besser gesagt: es sollte es tun. Denn nun sind wir knapp eine Stunde vor dem Zeitplan – und das Personal ist noch nicht da. Also heisst es warten. Mir wird zunächst kalt – und nachdem ich alles angezogen habe, was sich im Rucksack findet, schlafe ich sofort ein.


Viertel nach sechs sind dann Semmeln, Tee, Müsli und Kaffee bereit, die Lebensgeister wieder zu wecken. Begleitet wird unser Frühstück von Alphornbläsern – und auch der Blick zurück auf den Tegernsee ist ein Genuss.


Der Rest ist schnell erzählt: vorbei an der Gindelalm geht es zurück zum Schliersee – und mit 8 Minuten Verspätung laufen wir am Sonntag um 9:08 Uhr wieder am Ausgangspunkt ein. Ein Weißwurstfrühstück erwartet uns – und natürlich bekommt jeder eine Teilnehmer eine Urkunde.



Auf der Liegewiese am Schliersee relaxen wir noch etwas, bevor es mit der BOB zurück geht Es war mal eine ganz andere Art und Weise, an seine eigenen Grenzen zu gehen – und vor allem war es ein Gemeinschaftserlebnis. Neben der Natur und der Aussicht spielte für mich das Licht eine besondere Rolle: Sonnenuntergang im Westen, Mondschein in der Nacht, Sonnenaufgang im Osten - und auch der nächtliche Wald hat seinen besonderen Reiz. Am Sonntagabend schlafe ich dann noch vor acht auf der Couch ein – und bin glücklich über das, was wir geschafft und erlebt haben. Danke an Marion für diese tolle Anregung!



Zum Schluß noch ein paar Daten und Fakten: Wir waren 24:08 Stunden unterwegs – davon 18:25 Stunden reine Gehzeit. In dieser Zeit haben wir eine Strecke von 74,64 km sowie 3.386 Höhenmeter im Anstieg absolviert.

Karsten Seliger, Juni 2018


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