Auf den Spuren des Ursprungs

Von Marathon nach Athen

Es gibt Dinge im Leben, die möchte man einfach mal gemacht haben – auch wenn sie auf einer Legende beruhen, die so vielleicht nie wirklich stattgefunden hat.
So erging es mir mit dem „Authentic Marathon“ in Athen – einmal von Marathon zum Stadion der ersten neuzeitlichen olympischen Spiele in Athen: das hat einfach was.
Egal, ob da vor über 2.000 Jahren wirklich einer im Lederwams und mit Schild diese Strecke gelaufen ist (und am Ende tot umfiel) – ein Mythos ist dabei allemal geboren worden...


Niemand weiß, welchen Weg genau der Bote Pheidippides damals genommen hat – und ob es überhaupt so war, dass er die Siegesbotschaft des Kampfes der Athener gegen die Perser in der Schlacht von Marathon überbracht hat.
Niemand weiß genau, wie lange er dafür gebraucht hat (es ist von zwei Tagen die Rede...), und ob er danach wirklich tot zusammenbrach.
Und niemand weiß, welche Distanz er tatsächlich absolviert hat. Vermutlich war die Strecke des Boten kürzer als die heute übliche Marathonstrecke – der direkte Weg über die Berge wären ca. 34 km gewesen, mit einem Umweg am Meer entlang und über den niedrigsten Pass, dem auch die Strecke des Athen-Marathons folgt, wären es ca. 40 km gewesen. 

Die heutige Streckenlänge von 42,195 Kilometern wurde erst 1908 für die Olympischen Spiele in London festgelegt, um die Entfernung vom Start vor der königlichen Lodge von Schloß Windsor zum für diese Spiele neu erbauten Stadion abzubilden. 1921 wurde sie dann zur allgemein gültigen Marathondistanz erklärt.

So ein Mythos hat eine Anziehungskraft - ich war ohnehin auf der Suche nach einem Marathon möglichst spät im Jahr gewesen (weil ich den Sommer über etwas lauffaul war – was sich angesichts des eher heißen Wetters als durchaus richtige Entscheidung entpuppte :-)) - und da stolperte ich dann im Lufthansa-Magazin über einen Beitrag zu Marathons mit besonderem Ruf: New York, Boston, London, die Sahara – und eben auch der „Authentic Marathon“ von Marathon nach Athen.

Athen? Da war ich doch mal kurz nach der Wende als Student gewesen – und seither nicht mehr. Termin Mitte November – passt perfekt in meinen Zeitplan. Also nix wie schnell anmelden (das Kontingent ist begrenzt), ein Hotel und einen Flug buchen – und dann mal schauen, auf ein paar Trainingskilometer zu kommen.

Die Mahnung meiner Eltern klingt mir auch noch mit im Ohr: „bitte nicht wie der vor 2.000 Jahren tot im Ziel umfallen“. Ich bin aber mit anderer Ausrüstung und anderem Training unterwegs – und auch Verpflegungsstationen alle 2,5 km hatte Pheidippides damals vermutlich nicht. Also liebe Mama und lieber Papa: keine Sorge :-) .

Und so kommt, was kommen muß: am 12. November stehe ich gemeinsam mit mehr als 18.000 weiteren Marathon-Anwärtern an der Startlinie. Zunächst aber ist mal zeitiges Aufstehen angesagt: die Busse für den Transfer zum Start in Marathon starten von vier Metrostationen in Athen aus zwischen 6:00 und 6:45 Uhr. Vorher noch Frühstück im Hotel, um nicht mit leerem Magen auf die Strecke zu gehen, plus 10 bis 15 min Gehzeit bis zum Bus – also später als 5:00 Uhr sollte der Wecker nicht klingeln... 

Schon auf dem Weg vom Hotel zum Bus ist aber auch zu spüren, welchen Stellenwert der „Authentic Marathon“ in Athen hat: da lassen Taxifahrer, die grade die letzten Nachtschwärmer nach Hause bringen, das Fenster runter, recken den Daumen nach oben und rufen einem ein „Very Good !“ zu. Man stelle sich das mal in München vor... - und das in einem Land, in dem normalerweise der Fußgänger der natürliche (unterlegene) Gegner des Autofahrers ist - insbesondere des Taxis :-). Ebenso beeindruckend: die endlose Reihe von Bussen für den Transfer – um über 18.000 Starter von Athen nach Marathon zu bringen, braucht es schon eine große Anzahl von Reisebussen. Da sind wohl alle nur irgendwie verfügbaren Busse zusammengezogen worden – auch das eine logistische Meisterleistung.

Der „Authentic Marathon“ hat eine phänomenale internationale Anziehungskraft – ob bei der Startnummernabholung, im Startbereich oder unterwegs: es sind jede Menge Nationen vertreten Viele Asiaten (China, Japan und Korea) und Nordamerikaner (USA, Kanada) – ebenso sind aber natürlich auch alle europäischen Nationen vertreten. Meine Nachbarin im Bus kommt aus Pennsylvania, ist vor einer knappen Woche nach Griechenland geflogen, hat einen Kurztrip über die griechischen Inseln gemacht und ist dann nach Athen gekommen. Am folgenden Morgen fliegt sie zurück in die Staaten. 

Die Flaggen der Länder aller Starter wehen entlang des Startraums – es sind mindestens fünfzig, schätze ich mal. Auch so generieren Marathonveranstaltungen einen Schub für den Tourismus – aber da bin ich lieber mal ganz still, bin ich doch auch Teil dieses Mechanismus... Im Stadion von Marathon kann man sich vor einer Flamme fotografieren lassen und so die olympische Zeremonie nachempfinden - für mich steht aber eher eine andere Zeremonie im Mittelpunkt: das Warten auf den Startschuss. Auch ein Marathon-Museum gäbe es, um sich die Zeit zu vertreiben.
Aber irgendwann ist es soweit: es geht los! Die Strecke folgt im Wesentlichen der Straße nach Athen: nur zwischen Kilometer vier und sechs macht sie einen Schlenker, um an der Marathon-Grotte vorbeizuführen (und um die Differenz zwischen der Strecke des Boten und der heute gültigen Marathonstrecke auszugleichen). Leider ist von der Laufstrecke aus von der Grotte nicht viel zu sehen.

Der „Authentic Marathon“ ist ganz sicher keiner für Bestzeiten. Die größte Herausforderung wartet ab Kilometer 14: Ab dort (36 m ü.NN) bis kurz nach Kilometer 31 (249 m ü.NN) geht es beständig bergauf, wenn auch nie steil. Dies gilt es sich gut einzuteilen – mit einem „Schwupps und Drüber“ ist da nix zu machen. Ich pendele mich auf meinen Rhythmus ein, gehe aber auch auf manchen Abschnitten. Schon vorher hatte es einige Auf's und Ab's gegeben, und auch hinterher kamen noch ein paar kleinere Anstiege dazu – die Gesamtbilanz addiert sich auf 347 Hm im An- und 289 Hm im Abstieg.

Griechen lieben Musik – das war die ganze Strecke lang unüberhörbar. Ob nun Liveband, Boxen vor dem Lokal, oder aber auch Beschallung aus den Lautsprechern an den Straßenlaternen: es war immer was geboten. Und wo Musik läuft, da kommen die Griechen zusammen: zum Ratschen, Trinken, Tanzen - und zum Abklatschen der Läufer.

Klar: je näher wir dem Zentrum von Athen kommen, desto dichter wird das Zuschauerspalier - teilweise müssen die Zuschauer von der Polizei zurückgedrängt werden, damit sie die Gasse für die Läufer nicht zu eng machen. Und desto lauter wird es...

Und dann das Finale: der Zieleinlauf in das Panathinäische Stadion, 1896 für die ersten Spiele der Neuzeit als Nachbau des antiken olympischen Stadions auf dessen Grundmauern erbaut – und so ganz anders als die Stadien, die wir heute kennen. Schmal, steil, U-Form. Ein Hauch von Antike weht über meinem Zieleinlauf.
Am Ende steht Platz 7.374 unter 14.754 Finishern zu Buche – fast exakt die Mitte des Feldes.

Der „Authentic Marathon“ von Marathon nach Athen – ein Erlebnis „once in a lifetime“. Oder vielleicht doch noch ein zweites oder drittes Mal ? Schaun mer mal...
















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