Im Wind zu Onassis.

(Aufstieg aus dem Nichts)

Ohne Nichts aufs Rad zu steigen ist grob fahrlässig. Heißt du fährst grob und nicht lässig. Umgekehrt ist eindeutig die bessere Ausgangssituation: mal grob gesagt: lässig.
Jede Radlausfahrt ist ein Erlebnis, danke Anke!

Ganz ehrlich, ohne das Aufbautraining (also ohne Nichts!)  im Winter hätte ich diese Fahrt wohl nicht so flockig überstanden. Da bin ich Marlene und Mark zu großem Dank verpflichtet. Die beiden haben mich jeder mit dem jeweils  eigenen ambitionierten und durchdachten Trainingskonzept und abgestimmter Choreografie im Schollbach in Form gebracht. Rhythmisch zu verschiedenen motivierenden Musikstilrichtungen habe ich Puls und Körper auf dem Rad abwechselnd nach oben und unten getanzt, während sich der Schweiß aus meinen Poren drückte. Runter zählen im Takt und im Kanon mit den anderen Sportlern war jedes Mal eine Herausforderung. 8,7,6… 1 . Nicht immer blieb dafür der Atem übrig. Manchmal war ich einfach nur froh, auf dem Rad zu bleiben und bis zum Schluss durch zu halten. Jetzt verfüge ich über eine gewisse Grundfitness  und steige nicht wie damals Onassis aus dem NICHTS  auf in das Reich des Geldes, sondern heute ausgestattet mit ETWAS  auf mein schnittiges blaues Rennrad.

Treffen am Gesundheitspark, wie immer bei unseren Radausfahrten. Wir wären acht gewesen, wenn sich Michael nicht versehentlich am Schwimmbad mit uns hätte treffen wollen. Schade. Es präsentieren sich nun die reife Garde der glorreichen Ü-Fünfziger und die jungdynamischen Drei – Stefan, Stefan und Martin. Schön dieser Altersmix. Als einziges weibliches Exemplar bin ich die Quotenfrau.

Es ist der erste Mai, die Bäume schlagen und die Radler fahren (r) aus. Im „eye of  the tiger“, blicken uns  heute 80 Kilometer ins Auge.  Bis  Au in der Hallertau soll es gehen. Es ist sonnig, mittelfrisch und windig, so gefühlt zwischen warm einpacken und locker gekleidet. Martin ist als einziger kurz ausstaffiert, als würde er in Malle für den Iron Man im Boot Camp trainieren: Top und kurze Hose „Der Weg zum Rad war windgeschützt“,  sagt er. Wir anderen sechs kommen eingepackter daher. Klar, der Sonnenschein irritiert und verspricht Wärmeres. Mit dem Wind in Kombi sind die augenscheinlich angenehmen Temperaturen blitzschnell, eiskalt und gnadenlos  auf einige Grad heruntergesetzt.

Wir wollen früh zurück sein, weil die Wetter Apps unserer Handys  einheitlich (was nicht immer der Fall ist…)  am Nachmittag Gewitter und Regen prognostizieren. Da hat niemand Lust drauf. Versteht sich! Karsten hat die Karte, den frohen Plan, den er mit Karl-Heinz fein abstimmt und  vom Papier in  eine fahrbare Version optimiert. Die Strecke an sich ist für mich distanziell  bereits  Herausforderung. Der Wind, der uns mit  tornadösen 25 km/h entgegen peitscht potenziert  den sportlichen Anspruch dieser Ausfahrt. Was die Gegenstromanlage für die Schwimmer ist, ist hier der naturbelassenen Windkanal im oberbayrischen Trainingscamp.

Wir radeln durch den Landkreis im Wind, hier und da den Windschatten der Vorausfahrenden nutzend. Immer wieder fallen wir in Orientierunglöcher. Karl-Heinz und Karsten  überlassen wir die Scoutarbeit. Das ist ähnlich wie beim Kochen:  zu viele Köche verderben den Brei, es gäbe dann im worst case gar nicht zu essen. Auf das Radfahren übertragen, würden wir sieben  wahrscheinlich immer noch diskutierend an der Kirchenecke stehen, während der Regen allmählich ins Land zieht, Blitze ihre Ableiter suchen und Gewitter über unsere Köpfe grollt. Auf der Strecke treffen wir auf einen streckenkundigen Nandlstädter  Radfahrer, der uns ein Stück begleitet und nützliche Tipps gibt.

In Au kehren wir ein. Bei Onassis. Dem Griechen im Biergarten. Halb Sonne, halb Schatten, vor Kopf das Fahrrad an der Wand, als hätte dieser Platz nur auf uns gewartet. Auf der Sonnenseite der Bank wird sich mutig entkleidet, die Schattenseite bleibt  warm eingepackt. Trotz Wind und Kühle sind wir doch alle geschwitzt. Profis helfen sich mit Papiertüchern oder Zeitungsfetzen aus, die sie in einer Lage zwischen Körper und Trikot legen, um Feuchte aufzusaugen. Als Amateurin bleibe ich sitzen. Wo ich bin. Bewege mich nicht. Mehr. Bin zu platt. Die Bedienung lässt nicht lange auf sich warten und reicht uns einen Schnaps. Bereits vor dem Essen. „Der geht sicherlich in die Beine“, gebe ich zu Bedenken und sehe unsere Rückfahrt in Gefahr. Na ja, vielleicht kredenzt uns  der Wirt noch ein Sammeltaxi mit Fahrradanhänger als Nachtisch… 

Wir bestellen leichte Kost, essen gemäßigt. Mal abgesehen von dem Schnaps, den wir intus haben, würden wir mit vollem Bauch, der bremsend zwischen Sattel und Lenker hinge, ermattet im Straßengraben landen. Also Augen auf bei der Nahrungsauswahl.

Rückfahrt. Ist schnell erzählt. Nach  Hause findet man immer. Rückenwind belohnt  uns für die Strapazen. Ich fühle mich plötzlich wie ein Star, schnell, dynamisch, schnittig gleiten wir dahin. Martins rotes Windjäckchen kruschelt hinter mir… (er ist froh, dass er es mit hat.)

Anders. Im Juni erzählt aus dem Mai 2017.


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