Hitzeschlacht in Kelheim

Anton Bals hat in seiner Wettkampfhistorie schon so manches erlebt - aber dies wohl noch nicht. Bereits nach zwei Laufkilometern überkam ihn der Gedanke an den Ausstieg - dabei lagen zu diesem Zeitpunkt noch 28 Kilometer Laufen und über 80 Kilometer auf dem Rad vor ihm. 30 °C Außentemperatur und Schwüle mit über 80% Luftfeuchtigkeit setzten allen Startern extrem zu. Insgesamt 17 Trisportler ließen sich dennoch nicht unterkriegen - und finishten den erneut bestens organisierten Kelheimer Duathlon. Über die Zahl und den Tonfall der zwischendurch ausgestoßenen Flüche hüllt der Autor allerdings lieber den Mantel des Schweigens... Übrigens: auch Toni erreichte nach knapp fünf Stunden das Ziel - als drittplatzierter Trisportler auf der langen Strecke. Und wie es Alois Neumeier erging, berichtete er uns nach dem Zieleinlauf selbst.

Für den Trisport Erding gibt es erneut Erfolge zu vermelden: Marlene Müller (SN4W) und Rene Koller (AK1M) gewinnen ihre Altersklassen beim Magic Man und sind damit bayerische Meister. Beim Magic Man Light konnte Alexandra Hübner ihre Altersklasse gewinnen. Herzlichen Glückwunsch !

Seinen ersten Wettkampf auf einer so schweren Radstrecke absolvierte Alois Neumeier; vor dem Start konnte er freilich noch nicht ahnen dass es zu einem Rennen mit Hindernissen werden sollte. Nach dem "Magic Man Light" schilderte er uns seine Eindrücke:

Drückende Schwüle in den Morgenstunden und der späte Start um 10:45 veranlassen mich, mir einen Startplatz in der Mitte des Feldes zu suchen - so wollte ich der Versuchung entgehen zu schnell loszulaufen und später nach hinten durchgereicht zu werden. Zumal das Starterfeld überwiegend aus guten Läufern besteht - ein Stau wie in Ismaning war also nicht zu befürchten. Es geht auch gleich mit einem geschätzten Tempo von 4:30 min/km los - doch was mache ich ? Ich überhole... Es kommt wie es kommen mußte: Nach der Hälfte der Laufstrecke breche ich ein und werde nach hinten durchgereicht. Ich versuche noch, an einem Läufer vom Team Baier Landshut dran zu bleiben der mich bei Kilometer sieben eingeholt hat - keine Chance. Kaum Schatten neben dem grauen Donaukanal, auf gut bayrisch einfach nur "sauhoaß" - mir kommt es vor als würde ich stehen. Nach 44:06 min bin ich schließlich in der Wechselzone angekommen.

"Ja was tun sie denn da, die Trisportler ?" - Franz Groß hält nach den Mitstreitern Ausschau

So, jetzt bloß nicht hudeln. Ich hatte es mir genau eingeprägt: mein weiß-blaues Stevens-Rad steht links in der vierten Reihe außen. Die Radschuhe sind in den Pedalen eingeklickt, der Helm hängt so auf dem Lenker, daß ich ihn richtig herum in der Hand haben würde zum Aufsetzen. Um sicher zu gehen, daß ich mein Rad in der Hektik gleich finden würde hängte ich mir eine leuchtend rote Warnweste übers Unterrohr. Ich laufe also zu dem markierten Rad. Helm auf - komisch, warum setz ich den jetzt verkehrt herum auf ? Egal, weiter gehts ! Laufschuhe aus, die Warnweste runter vom Rad. Ach du Schreck ! Das ist ja gar nicht mein Rad ! Noch jemand hatte die gleiche Idee gehabt: weiß-blaues Rad, blauer Helm, rote Warnweste, alles genau wie bei mir, nur eine Reihe weiter hinten. Wias no grad sei moag !
Also auf zu meinem Rad eine Reihe weiter vorn - halt, ich habe ja noch den falschen Helm auf. Den muß ich selbstverständlich zurückbringen. So, jetzt aber. Den Helm auf, diesmal den Richtigen. Ea kann losgehen - nein, halt ! Meine Laufschuhe stehen ja noch am falschen Platz ! Die muß ich auch noch holen, später find ich die garantiert nicht mehr. Die Minuten verrinnen - es ist jetzt eh schon egal. Nicht nur die mühselig erlaufenen Plätze sind dahin - ich bin auch noch weit zurückgefallen.

"Und trag mich flott den Berg hinauf" - Gunnar Flosbach und Alexandra Hübner beim lockeren Umgang mit dem Sportgerät

Ohne große Ambitionen steige ich aufs Rad, schlüpfe nach wenigen Tritten in die Radschuhe und werde noch von drei oder vier Radlern überholt. Doch nach wenigen hundert Metern habe ich sie wieder eingeholt - und nicht nur die, sondern auch Dutzende anderer Radler, die sich den steilen Berg hochquälen. Und das Tolle: die Steigung zieht sich über weitere zweieinhalb Kilometer hin. Eine Wohltat auch der schattige Wald. Es folgt ein sanftes Gefälle, bevor es noch einmal einen guten Kilometer bergauf geht. Eine tolle Radstrecke ! Ich bin begeistert. Kein einziger Radler überholt mich. Und dieser Berg ist noch zweimal zu bewältigen - ich würde also noch zweimal Gelegenheit haben, weitere Plätze gutzumachen. Als die Verpflegungszone in Sicht kommt, hole ich Franz Groß ein. Als nächstes kommt eine angenehme vier Kilometer lange Abfahrt ganz nach meinem Geschmack - ca. 50 km/ ohne eine halsbrecherische Schußfahrt mit gefährlichen Kurven; die einzige 90° Rechtskurve ist schon von weitem zu erkennen. Jetzt holen mich  wieder einige Radler mit schnellen Zeitfahrmaschinen ein. Es folgen vier Kilometer in leicht welligem Gelände, ich habe keine Probleme dranzubleiben - allerdings herrscht hier Gegenwind. Es macht richtig Spaß in der Gruppe zu fahren - wir sind vier gleichschnelle Fahrer. Wir machen uns gegenseitig schnell und erreichen auf den letzten drei Kilometern ein Durchschnittstempo von 40 km/h. Jetzt geht es wieder durch den Ort und anschließend erneut den Berg hinauf den ich richtig lieb gewonnen habe. Wie in der ersten Runde überhole ich wieder viele Radler - doch diesmal ist auch einer schneller und überholt mich. Nach etwa zwei Kilometern habe ich ihn wieder eingeholt, später überholt er mich noch einmal ehe ich kurz vor der Verpflegungstelle erneut kontern kann. Es wiederholt sich das Spiel aus der ersten Runde: auf der Abfahrt werde ich überholt doch im Verlaufe des welligen Streckenteils kann ich mich an die Spitze der Gruppe setzen.

"Was wird uns erwarten ?" - Kritische Blicke bei Alois Neumeier, Marlene Müller und Thomas Kunschner (teilweise verdeckt: Franz Groß und Juliane Scholtischik)

Der Spaß hat ein jähes Ende: In die Hauptstraße führt eine einspurige Einfahrt, und dahinein fährt ein LKW und bleibt plötzlich stehen. Ich rufe aus 20 Metern noch "Fahr zu !", doch es nutzt nichts. Der Radler vor mir fährt rechts an dem Lastwagen vorbei, doch mir ist das zu gefährlich - würde der LKW in diesem Moment weiterfahren, würde er den Radler unweigerlich erfassen. Ich steige lieber ab und schiebe mein Rad im Gras am Lastwagen vorbei - genau in diesem Moment bequemt sich dieser weiterzufahren - na toll ! Die Radler hinter mir brauchten nicht abzusteigen...
Damit nicht genug: wieder aufgestiegen kann ich nicht losfahren, da ich einen viel zu großen Gang drinhabe. Beim Schalten auf das kleine Blatt springt zu allem Überfluß auch noch die Kette herunter. So verliere ich schätzungsweise zwanzig Plätze. Den Rest gibt mir ein Staffelradler, der mitten auf der Straße fährt, so daß ich nicht links überholen kann. Er meint "Ich muß raus" und fährt in die Wechselzone. Ich schaue auf meinen Tacho: da stehen 33 km - eine Runde Rückstand ? Deprimiert fahre ich weiter. Beim Nachrechnen schlußfolgere ich: Ich brauche pro Runde ca. 30 Minuten, er war langsamer als ich. Selbst wenn sein Läufer nur 30 Minuten für die 10 km gebraucht haben sollte, kann er unmöglich eine Runde Vorsprung gehabt haben. Der muss sich vertan haben - oder aufgegeben.
Ich bin jetzt einsam auf der Radstrecke, auch am Berg hole ich nur noch drei Radler ein. Ich bin nicht mehr so motiviert wie auf den ersten beiden Runden und froh, auch noch ein 26er Ritzel am Hinterrad zu haben. An der Verpflegungsstelle räumt gerade ein Helfer eine Kiste mit leeren Trinkflaschen weg. "Räumt ihr schon zusammen ?" frage ich entsetzt. Einsam fahre ich weiter und überhole niemanden mehr. Ich bin nun mal kein Einzelzeitfahrer. Auf der Hauptstraße passiert mir dasselbe Mißgeschick wie vor drei Wochen in Krailling: an einer Seitenstraße steht die Feuerwehr und hält Autos auf. Ich denke, die winken mich rein und biege ab. In den beiden Runden zuvor konnte ich einfach anderen Radlern nachfahren - diesmal muß ich selber schauen. Wenig später biege ich richtig ab und schlüpfe schon mal aus den Radschuhen.

Noch lachen sie: Gruppenbild vor dem Start... (v.l.n.r. vorn: Ingo Weidmann, Alois Neumeier, hinten: Gunnar Flosbach, Alexandra Hübner, Franz Groß, Juliane Scholtischik)

Jetzt geht es in die Wechselzone. Ich fühle mich durchaus noch in der Lage, zwei weitere Runden in diesem Tempo zu radeln. Doch als ich vom Rad absteige ändere ich meine Meinung. Mit wackligen Beinen stolpere ich zu meinem Parkplatz und benutze mein Rad als rollenden Krückstock. Anhand der Warnweste finde ich diesmal fast auf Anhieb hin. Fast - schließlich gab es da ja noch jemanden mit der gleichen Idee. Mein Tacho zeigt eine Radzeit von 1:30:12 h an - ich bin sehr zufrieden. Ich plumse auf den Hintern und nehme erstmal einen kräftigen Schluck aus der Radflasche. Es pressiert mir überhaupt nicht. Weit über die Hälfte der Radständer ist noch leer. Gemütlich ziehe ich mir die Schuhe an und nehme den Helm ab. Noch ein Schluck aus der Trinkflasche. Ich raffe mich auf, obwohl ich lieber sitzen bleiben würde. Ich trabe los. Meine Beine kreisen noch immer in der Tretbewegung. Am Ausgang der Wechselzone frage ich den Streckenposten ob ich die restlichen fünf Kilometer nicht auch noch mit dem Rad fahren könnte. Wie befürchtet verneint er und kann sich das Lachen nicht verkneifen. Ich ziehe mein Armband über die Zeiterfassungstafel - meine Stoppuhr zeigt 2:17:40 h an. Schweren Schritts trabe ich weiter. Zwei Läufer kann ich einholen - Startnummer 391 überhole ich, Startnummer 399 erhöht das Tempo als er mich bemerkt. Ich kann nicht mithalten und werde wieder langsamer - und nach hinten durchgereicht. Wo kommen die auf einmal alle her ? An den Verpflegungstellen lasse ich mir viel Zeit - es geht nur noch darum, mich irgendwie ins Ziel zu retten. Unvorstellbar wie die Magic-Man-Starter es schaffen, noch 15 Kilometer weiter zu laufen. Ich habe nicht einmal mehr Kraft für lächerliche fünf Kilometer. Als das Ziel schon in Sichtweite ist spüre ich einen Läufer im Nacken - nein, dem will ich mich nicht ergeben ! Ich lege mit letzter Kraft einen Endspurt hin. Es reicht - ich bin vor ihm im Ziel und hole dabei fast noch Läufer Nummer 399 ein. Mit nach oben gestreckten Armen laufe ich jubelnd durch den Zielkanal und vergesse dabei, mein Armband über die Zeiterfassungstafel zu ziehen.. So steht nun der Starter mit der Nummer 407, gegen den ich mich so sehr gewehrt hatte, in der Ergebnisliste doch vor mir. Erst der Ruf des Streckenpostens macht mich auf mein Versäumnis aufmerksam - "Tüüüt" - jetzt gilt es. Nach 2:42:43 h ist es geschafft - und ich bin geschafft.

...und es sind noch zwei dazugekommen: Karsten Seliger (ganz links) und Denis Harms (ganz rechts)

Ich sehe wohl ziemlich schlecht aus - eine Helferin nimmt mich gleich an die Hand und führt mich zur Zielverpflegung in die Halle. Sie läßt mich hinsetzen und bringt mir zu trinken soviel ich will, und anschließend auch noch Kuchen - was für ein Service ! Erst als ich mit "Jetzt geht's wieder" Entwarnung gebe, weicht sie von meiner Seite.
Ich schaue mich um - von den Triportlern ist bisher nur Franz Groß zu entdecken. Es dauert noch eine Weile, bis mit Gerald, Juliane und Gunnar die nächsten Vereinsstarter eintreffen.
Insgesamt bin ich mit Platz 71 sehr zufrieden - obwohl ich beim ersten Lauf eingebrochen bin, obwohl ich mich beim Wechseln so angestellt habe, obwohl ich von dem Lastwagen ausgebremst wurde, obwohl mir die Kette heruntergesprungen ist und obwohl ich mich verfahren habe. Es wäre durchaus noch mehr drin gewesen...
Doch andere Trisportler hatten mit erheblich größeren Problemen zu kämpfen:
Richard Wimmer musste geschwächt vom Ironman Lanzarote und einer Erkrankung aufgeben.
Ingo Weidmann wurde nach tollen Zwischenzeiten (41:55 min auf der ersten Laufstrecke und 2:23:07 h auf den schweren 80 Radkilometern) von Krämpfen im Bein geplagt und schleppte sich 2:12:50 h lang über die verbleibenden 20 Laufkilometer.
Auch Gerald Hecht bekam auf der Radstrecke einen Krampf im Gesäß und blieb deutlich unter seinen Möglichkeiten.
Nächstes Jahr möchte ich der tollen Radstrecke wegen wieder dabei sein - wahrscheinlich wieder in der "Light"-Version. Für den "Magic Man" fühle ich mich noch nicht reif. [an/ks]

Die Ergebnisse der Trisportler im Einzelnen:

Magic Man:

Rene Koller: 4:27:23 h (22. gesamt / 1. AK1M)
Robert Wimmer: 4:39:05 h (44. gesamt / 8. SN1M)
Anton Bals 4:52:48 h (74. gesamt / 11. SN2M)
Denis Harms 4:55:21 h (84. gesamt / 22. AK4M)
Ingo Weidmann 5:17:52 h (130. gesamt / 18. AK3M)
Michael Hindahl 5:19:48 h (136. gesamt / 23. SN2M)
Thomas Kunschner 5:33:23 h (161. gesamt / 29. SN2M)
Marlene Müller 5:47:47 h (173. gesamt / 1. SN4W)
Martin Sauer-Gärtner 6:09:53 h (185. gesamt / 35. SN2M)

Magic Man Light:

Alois Neumeier 2:42:43 h (71. gesamt / 11. AK3M)
Franz Groß 2:44:42 h (78. gesamt / 5. SN3M)
Gerald Hecht 2:53:02 h (108. gesamt / 9. SN2M)
Matthias Neumayr 2:53:11 h (110. gesamt / 6. SN3M)
Juliane Scholtischik 2:53:27 h (111. gesamt / 4. SN1W)
Gunnar Flosbach 2:54:31 h (117. gesamt / 13. AK3M)
Alexandra Hübner 3:11:56 (158. gesamt / 1. AK3W)
Karsten Seliger 3:15:33 (161. gesamt / 40. SN1M)



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