So sehen Sieger aus: Kathis langer Weg zurück zum Triathlon

Sonntag, 23. Juni 2013, 9:54 Uhr. Noch eine Minute bis zum Start. Noch einmal rückt Kathi Heilmaier ihre Brille zurecht, atmet tief durch, blickt auf die glitzernde Oberfläche des Kronthaler Weihers. Gleich wird sie sich in die Fluten des Erdinger Baggersees stürzen, wie schon oft zuvor. An einem Wettkampf teilnehmen. Schwimmen, radeln und laufen – wie schon oft zuvor. Und doch ist heute alles anders...
(ein Bericht von Hellmut Blumenthal)


Früher war die begeisterte Triathletin schon Tage vor einem Wettkampf nervös. Heute war sie selbst noch beim Frühstück entspannt. Und jetzt? Genießt sie die Vorfreude in vollen Zügen. Ist ganz bei sich. Spürt sich. Steht mitten im Leben. Der Countdown läuft. Endlich! Endlich wieder ein Wettkampf!

Rückblick. September 2011. Kathi freut sich auf den Stadtlauf in Erding, will dort die zehn Kilometer erstmals unter 50 Minuten laufen. Doch ein Routinebesuch beim Arzt bringt die niederschmetternde Diagnose: Leukämie! Knapp einen Monat vor ihrem 14. Geburtstag muss die Schülerin ins Kinderkrankenhaus Schwabing. Chemotherapie statt Kraultraining, Hoffen auf einen Knochenmarkspender statt harter Intervallläufe.

Kathi nimmt’s sportlich und stellt sich der Herausforderung. Weglaufen geht nicht, denkt sie sich. In einem halben Jahr, so hofft sie, ist es überstanden. Doch es kommen noch viele weitere Herausforderungen. Kopfweh, Übelkeit, verätzte Speiseröhre, wochenlanges Liegen in Isolation – Folgen der Chemotherapie. Auch die Suche nach einem Stammzellenspender ist kompliziert: Keiner ihrer vier Geschwister erweist sich als „genetischer Zwilling“. „Es gab einige Tiefpunkte“ gesteht Kathi heute. Lang ersehnte Heimfahrten, die wegen ungünstiger Blutwerte platzen. Unerklärliche Herzrhythmusstörungen. Phasen der Mutlosigkeit. Aber sie kämpft. Immer unterstützt von der Familie und ihren Freunden bei den TriKids, der Nachwuchsabteilung von Trisport Erding. Ihre Teamkameraden schenken ihr ein Plakat mit der Aufschrift „Quäl dich, du Sau!“ „Da haben die Ärzte und Schwestern große Augen gemacht“, schmunzelt die Erdingerin.

Sonntag, 23. Juni 2013, 11:10 Uhr. Kathi hat das Schwimmen und Radeln bereits hinter sich und ist auf der Laufstrecke. Noch etwa zwei Kilometer bis ins Ziel. „Laufen ist meine beste Disziplin!“, schrieb sie auf ihrer Homepage www.hilfe-fuer-kathi.de, als im Februar 2012 endlich ein Knochenmarkspender gefunden und die Transplantation vollzogen war. Auch die Erkrankung war für sie ein Triathlon. Im bangen Abwarten, ob Körper und Knochenmark sich vertragen, in diesen etwa 100 Tagen, sah Kathi den abschließenden Lauf, der hoffentlich ins Ziel führen würde: in ihre Genesung. Den Sport hat sie nie aus den Augen verloren, und dennoch gab es andere, für einen gesunden Menschen völlig banale Dinge, die plötzlich wichtig und groß waren. Das erste richtige Essen nach sechs Monaten – eine Portion Geschnetzeltes im März 2012. Erstmals nach sieben Monaten zwei Tage am Stück zu Hause sein können. Das erste Vollbad, nachdem der Hickman wieder entfernt war. Kleine Schritte zurück in die Normalität.     

Die Schritte, die sie jetzt auf der Laufstrecke absolviert, tun weh. Zu ungewohnt ist die Belastung. Noch ist Laufen nicht wieder ihre beste Disziplin, zumal Kathi darauf achten muss, dass der Puls nicht über 160 Schläge pro Minute steigt. Doch selbst das Ziehen in den Beinen ist eine Wohltat. „Endlich mal wieder ein Schmerz, der vom Sport kommt“, schmunzelt Kathi. Und nicht vom Liegen in harten Krankenhausbetten, von starken Medikamenten oder Knochenmarkspunktionen. Kathi hört und sieht, wie ihre Freunde sie anfeuern. Sie lächelt und winkt ihnen zu. Dani Mau, der Trainerin, Christian „Hörmi“ Hörmannsdorfer und all den anderen, die sie auf ihrem langen Weg zurück in die Gesundheit begleitet haben.

Sonntag, 23. Juni 2013, 11:27 Uhr. Kathi Heilmaier ist im Ziel. Sie hat gefinisht. Und ist unendlich glücklich. „Jede Sekunde habe ich genossen“, strahlt sie. Ihre Zeit: Eine Stunde, 32 Minuten, 59 Sekunden. „Ich hatte eher mit zwei Stunden gerechnet“, so Kathi. Doch auch damit wäre sie rundum zufrieden gewesen. „Sport bleibt ein wichtiger Teil meines Lebens, aber er ist nicht alles.“ Kathi weiß wovon sie spricht. Sie hat in den letzten zwei Jahren mehr Rückschläge gemeistert als viele Profisportler in ihrer ganzen Karriere.

Was aber nicht heißt, dass die junge Trisportlerin keine Ziele mehr hat. Neben vielen Reisen um die ganze Welt steht nach wie vor der Iron Man in Hawaii auf ihrer persönlichen Liste. „Und dort will ich vor den Männern ins Ziel kommen“, fügt sie lachend hinzu. So sehen Sieger aus.


Events


23. Stadttriathlon Erding | 18./19. Juni 2016
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